Alle 40 Sekunden wird ein Kind in Deutschlands
Schulen Opfer einer Gewalttat.
Von Lukas Speckmann
Karateweltmeister Jörg Gantert bringt Siebtklässlern der Fürstin-von-Gallitzin-Schule innere Stärke bei

Engagieren sich seit vielen Jahren für Sicherheit und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler
von links nach rechts: Schulleiter Michael Oppenberg, Jörg Gantert und Konrektor Harald Melching
Das gibt’s doch gar nicht: Die Siebtklässler nehmen Haltung an. Eben noch hingen sie auf ihren Stühlen in der Aula, wie 13-jährige halt so rumhängen. Ein kurzes Wort von Jörg Gantert – und sie richten sich auf, Rücken gerade, Kopf hoch, und sprechen dann im Chor Sätze nach, die man von Jungs in ihrem Alter am allerwenigsten erwarten würde: „Sei höflich und bescheiden“, deklamieren sie inbrünstig, „sei geduldig und beherrscht“ und zum Schluss „sei mutig!“ Man spürt deutlich, dass sie es in diesem Moment völlig ernst meinen.
Gehirnwäsche? Nein, Karate. Die Schüler der siebten Klasse an der Fürstin–von Gallitzin-Schule nehmen mit Begeisterung an einem jährlichen Projekt teil, das ihnen in Sachen Benimm und Selbstwertgefühl den letzen Feinschliff geben soll. Es heißt „Stark sein, Schwäche zeigen“ und zeigt ihnen, wie sie Gewalt erkennen, vermeiden helfen – und unterlassen. Das geht hervorragend mit den japanischen Karate-Benimmregeln „Dojokun“, in denen es um Höflichkeit, Bescheidenheit und Mut geht.
Dafür ist Jörg Gantert zuständig. Der münsterische Sportler und Persönlichkeitstrainer ist auf Einladung von Schulleiter Michael Oppenberg seit 2 Jahren dabei. Ist schon cool, so einen ausgewachsenen Karateweltmeister vor sich zu haben. Da reißt man sich gern zusammen und ist mit Eifer bei der Sache. Das ist nicht selbstverständlich – Jörg Gantert hat sich durch sein ruhiges Auftreten den Respekt seiner Schüler erst verdienen müssen.
Was ist das Problem? „Diese beiden Mädchen“, sagt der Junge. Kleiner als er, was die Sache nicht einfacher macht, aber fies. Sie laufen hinter ihm her und treten ihn. Was soll er tun? „Sag ihnen, sie sollen aufhören“, sagt Jörg Gantert. Klingt einfach, setzt aber souveränes Auftreten voraus. Also einen Schritt vor, eine Hand in Abwehrhaltung vorstrecken, in die Augen blicken, und mit fester Stimme sprechen. Und wenn’s sein muss, auch noch ein zweites oder drittes Mal.
Falls mal wirklich einer angreift, gibt es ein paar einfache Techniken. Den Angreifer am eigenen Arm aushebeln, ihn kontrolliert zu Fall bringen, ohne dass er sich verletzt. Und dann, ganz wichtig, dem am Boden Liegenden ein Friedensangebot machen, ihm aufhelfen, Wertschätzung zeigen.
Denn darum geht es ja vor allem: Der Gewalt eine Absage erteilen. Das ist den Eltern der Schüler und dem Förderverein die Unterstützung dieses Projektes allemal wert, auch wenn es, wie Jörg Gantert selbst einräumt, ein Tropfen auf dem heißen Stein ist: „Aber ein wertvoller Tropfen!“
Förderverein der Fürstin-von-Gallitzin-Schule e.V.
Sparkasse Münsterland Ost
Bankleitzahl: 40050150
Kontomummer: 95065041
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